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Within Temptation - Hallenstadion Zürich, 16. März 2014 - Foto: Frank
So, 16. März 2014

WITHIN TEMPTATION, LUNATICA

Hallenstadion Club (Zürich, CH)
/ 21.03.2014

Eines dieser Konzerte wo man lange hin und her überlegt, soll ich gehen oder soll ich nicht. Als Nightwisher der ersten Stunde wurde ich Anfangs des 21. Jahrhundert zwangsläufig Aufmerksam auf die Niederländer Within Temptation. Es folgte schon bald der Überhit „Stand My Ground“ – welcher selbst auf den Mainstream-Radio-Kanälen zu hören war.  Ich erlebte dann Within Temptation zwei Mal als Vorband an Open-Air-Konzerten der zwei grössten Metalbands überhaupt: Iron Maiden (Uster) und Metallica (Jonschwil). Irgendwie sprang der Funken nie ganz rüber – zu mir – zu vielen anderen schon. Mit über 3 Millionen Scheiben zündete dieser ganz ordentlich.

Wir schreiben inzwischen das Jahr 2013 und es kam das Duett – Paradise (What About Us) – mit Tarja Turunen raus und so für mich ein Wiederentdecken von Within Temptation. Plötzlich fand ich die Stimme von Sharon den Adel den Hammer; gut, mit Tarja zusammen kann fast nichts schief gehen. So kaufte ich mir den damals noch aktuellen Longplayer „The Unforgiving“ und fand diesen auf Anhieb genial. Inzwischen ist auch die neue Scheibe „Hydra“ rausgekommen und von da an war klar, ich muss die Niederländer wieder mal live sehen.

Und so sitz ich heute da und bin gespannt was mich erwartet. Endlich sehe ich auch Mal, was mit „Hallenstadion Club“ gemeint ist. Die Bühne wird mitten im Stadion aufgestellt, so dass das Fassungsvermögen je nach Nachfrage stark verkleinert werden kann. Mit dem grossen Vorteil, dass Konzerte nicht halbleer aussehen, sondern wie ausverkauft wirken und dazu noch eine beachtliche Bühne Platz hat. Eine kompakt-gute Sache. Heute sind’s 3’700 Besucher und so kommt eh nicht mehr viel anderes als das Hallenstadion in Frage. Für diese Anzahl Leute fehlt sonst meist eine passende Location. So ist die Mini-Hallenstadion Version eine ganz gute Sache.

Nun aber zum heutigen Abend bzw. den Bands. Oder einfacher, ich komme endlich zum Punkt.

Lunatica

Lunatica eröffnen Punkt Acht den Konzertabend. Die Schweizer Symphonic-Female-Fronted-Kapelle ist auch schon fast eine Institution und scheint es gefühlt schon ewig zu geben. Ich durfte die Suhrer auch schon diverse Male als Vorband erleben. Was ab Konserve durchaus gut tönt, wird live leider nicht so richtig rübergebracht. Die mit Sängerin Andrea Dätwyler an der Front bestückte Band ist live eher lahm am Start. Da springt der Funke leider zu oft nicht. Nach einer halben Stunde ist der Spuk auch schon dabei. Viele neue Fans dürfte Lunatica heute Abend nicht gewonnen haben. Schade um die verpasste Chance, die die Band durchaus verdient hat.

Within Temptation

Dreissig Minuten später fällt der Vorhang für Within Temptation. Das imposante Bühnenbild besteht aus links und rechts zwei Drachen und dazwischen ein ganz anständiger Videoscreen, wo uns erinnert, dass wir uns grad in Zürich befinden – nicht wegen den Drachen, sondern weil dort grad Zürich steht. Die Drachen spucken sich über den Screen immer wieder gegenseitig Feuer zu. An der Grenze des Kitsch.

Die Bühne steht einem „ganzen“ Hallenstadion-Act in nichts nach und weist mehrere Etagen auf. Im ersten Stock machen sich die Saitenvirtuosen den Platz streitig, währen der zweite Stock aus einer Zweier-WG vom Drummer und Keyboarder besteht. Ab und zu gesellt sich Sharon dazu und eher selten einer aus dem ersten Stock.

Mit „Paradise (What About Us?)“ – meinem neuen Lieblingssong von Within Temptation – kommt für mich bereits als zweiter Song der erste Höhepunkt. Dem Song verdanke ich auch meinen Konzertbesuch von heute Abend. Das Duett mit meiner absoluten Lieblingssängerin – Tarja Turunen – machte mich wie bereits erwähnt nach langem wieder hellhörig für die Within Temptation. Nebst Tarja im Duett kann man eigentlich nur verlieren, mir gefällt jedoch die Tonlage auf der Sharon singt und nicht dauernd nach Höhenrekorden sucht. Und der Song ist definitiv der Hammer. Bis zum Videodreh – d.h. also lange Zeit nachdem der Song bereits fertig aufgenommen war – hatten sich Tarja und die Band inklusive Sharon noch nie getroffen. Tarja erzählte mir in einem Interview (siehe Interviews), dass sie ihren Part in ihrer Wahlheimatstadt Buenos Aires aufgenommen habe. Dafür ist die Harmonie der beiden im Song perfekt und die Stimmen ergänzen sich hervorragend. Schade nur, dass Tarja heute Abend leider nur im Video und ab Band läuft und leider nicht so ganz synchron.

Nachdem Sharon Anfangs nur auf der Empore ganz oben auf der Bühne stand, sucht sie jetzt beim zweiten Song die Nähe zum Publikum auf dem rund 5 – 8 Meter ins Publikum ragende Catwalk. Dieser bleibt während dem ganzen Konzert mehrheitlich ihr vorenthalten – bis auf ein paar wenige Besuche der beiden Gitarristen für Soli-Auftritte.

Schon nach den ersten drei Songs ist für mich klar, dass dies Welten sind, was ich vor Jahren sah und jetzt erlebe.

Als Schreiber sitze ich heute ausnahmsweise auf der Tribüne, welches mir zwar eine bequeme Sicht auf das Geschehen beschert, aber bald auch so was wie Langeweile aufkommt. So fängt man an Sachen zu beobachten, die man nah bei der Bühne und im Pit kaum wahrnimmt oder auch nicht wahrnehmen will. So zum Beispiel dass bei einer Ballade die brennenden Feuerzeuge durch stetig leuchtende Smartphones abgelöst wurden. OK, das ist jetzt nicht wirklich eine neue Erkenntnis, aber wenn man schon oben sitzt, vermisst man halt bei einem Song wie „Edge Of The World“ das aus brennenden Feuerzeugen bestehende Lichtermeer noch mehr.

Mit „Mother Maiden“ folgt ein weiterer Intro-Film. Bei diesem dürfte es sich wohl um einen der längsten an einem Konzert handeln. Frag mich einfach, was der Nutzen ist. Ich behaupte jetzt mal, dass der grösste Teil des Publikums den Monolog einer alten Dame eh nicht verstanden hat oder irgendwann – wie ich – dem ganzen nicht mehr folgen konnte, weils einfach zu monoton war. Aber Sharon brauchte wohl auch genügend Zeit für einen Garderobenwechsel.

Noch störender oder wirklich störend ist einmal mehr das mehrheitlich rote Licht, in welches die Bühne und somit Band gehüllt ist. Warum eigentlich immer rotes Licht? Gut, noch schlimmer ist zu wenig Licht – rot hin oder her – auf die einzelnen Bandmitglieder. Diese stehen oft im Dunkeln und sind teilweise kaum oder nur wenig zu sehen. So auch als Sharon in einem langen, silbernen Kleid mit einem speziellen Kopfschmuck auf der Bühne erscheint. Wir können nicht erkennen, ob es sich dabei um ein Geweih, ihre aufgetürmten Haare oder sonstigen Kopfschmuck handelt. Sie steht während dem ganzen Song – wo sie dies trägt – im hinteren, oberen Bereich der Bühne, wo man sie kaum sieht.

Es ist auch eine Phase des Konzerts, wo Song um Song runtergespielt wird. Der Moment wo man sich schon Stunden später kaum mehr erinnern wird. Der Moment wo man kaum mehr sitzen kann und eigentlich lieber mit einem Bier in der Hand in der Nähe der Bühne wäre – denn dort haben die Leute bestimmt mehr Spass. Ein kleiner Weckruf ist die Double-Bass Granate „Dangerous“, welches ebenfalls ein Duett ist – Howard Jones „singt“ seinen Teil ebenfalls ab Band bzw. Leinwand.

In dem Moment wo ich mir notiere, dass die Stimme auch in höheren Gefilden grad noch OK ist und nicht Ohrenschmerz verursacht, kommt dieser doch, wo ich langsam genug davon habe. Da wäre ein Song im Stile vom Paradise eine Wohltat. Das trennt die Female Fronted Symphonic Bands von der Streu. Leider ist der Weizen rar, vor allem live kommt oft der Moment wo man den hohen, dünnen Gesang kaum mehr aushält. Da lob ich mir wieder einmal Tarja, die in jeder Tonlage immer viel Wärme und Power in der Stimme hat. Da ist nebst viel Talent, Angeborener Stimme vor allem auch die Ausbildung ausschlaggebend und da kann eine Sharon mit der besten des Genres definitiv nicht mithalten, aber hält sich besser als die meisten anderen. So auch um Welten besser als Epica, die mich live mächtig enttäuschten bzw. eben der Gesang von Simone Simons.

Ich wünschte mir, dass Sharon mehr in den mittleren Höhen singen würde, dort ist ihre Stimme am markantesten und für mich auch am angenehmsten. Aber wie so oft bewege ich mich auch auf dünnem Eis, wenn es um persönliche Vorlieben geht.

Nach Dangerous folgt schon das nächste Duett wohl auch grad der auffälligste Song des Abends und neuen Albums gleichermassen: „And We Run“ mit dem Rapper (!) Xzibit. Hm, ich kann mich mit diesem Song nicht anfreunden. Nicht weil mir Rap nicht gefällt, im Gegenteil, jedoch weil mir hier die Harmonie fehlt. Es passt irgendwie nicht zusammen. Selbstredend ist auch hier, dass auch Xzibit ab Band und auf Video mittut.

Nach mehr als der Hälfte des Konzerts wird mir soeben bewusst, dass weder Sharon noch der Rest der Band bisher kaum ein Wort zum Publikum sprachen. Oder hab ich was verpasst? Ein, zwei Sätze, ein kurzes Hallo Zürich oder so wäre noch angebracht gewesen. Es haben wohl alle mehr oder weniger den Plausch, aber so richtig involviert wurden die Fans bisher nicht. Da hilft auch ein weiterer Intro-Film – Elements – nicht. Die sind mit der Zeit richtige Stimmungstöter. Die Filme oder Teile von einzelnen Videos sind jedoch aufwändig produziert und auch nicht immer für sensible Gemüter gemacht.

Es folgt mit „See Who I Am“ einer der Kracher, die man noch Tage später kaum aus den Ohren bringt. Eine Steigerung erfährt dies mit einem weiteren Klassiker: Stand My Ground. Der Song der damals den Durchbruch der Niederländer bedeutete und längere Zeit in den Radios rauf und runter lief.

Da sitzt man doch schon anders und richtet sich wieder auf. So richtig geil wird’s ab jetzt mit „Jillian (I’d Give Me Heart)“. Da kommt auch die der einzigartige Teil der Stimme von Sharon wieder mehr zum tragen und der Gesang wird operiger. Der für mich bisher am besten gesungene Song des heutige Abends.

Und mit „The Cross“ und insbesondere mit dem neuen Lied „Covered By Roses“ geht’s in diesem Stil weiter. Der Durchhänger ist definitiv überstanden. So gefällt’s. Es folgen auch erste Worte ans Publikum. Sharon empfiehlt uns, dies zu geniessen im Sinne von Carpe Diem und das tue wohl in diesem Moment nicht nur ich. Ich bin jetzt definitiv auch am Konzert angekommen. Auch die Stimmung wird immer besser. Bisher war es jeweils höflicher Applaus nach jedem Song und in den vorderen Reihen wurde auch mal gehüpft und rhythmisch geklatscht. Auch Sharon gibt wieder mehr Gas. Dies ist umso erstaunlicher, da sie kaum eine Verschnaufpause hat. Die Songs werden entgegen zum Beispiel bei Nightwish komplett von ihrer Stimme getragen. Ohne Sharon wären die Songs kaum von einander zu unterscheiden.

Nach rund 90 Minuten verlässt die Band doch für eine längere Zeit die Bühne und lässt die Menge etwas zappeln. Diese versucht es mit allen klassischen Mitteln, die Band zu einer Zugabe zu bewegen – Ohohohohos, Klatschen, Pfeifen, LaOlas – und ist damit nach mehreren bangen Minuten auch erfolgreich.

Das lange Warten hat sich zumindest schon mal optisch gelohnt. Sharon trägt jetzt nach dem bodenlangen Silberkleid wieder kürzer. Eine Kombi bestehend aus dem kurzen Schwarzen vom Anfang und dem Silbernen von soeben. Da scheint ein Thrash the Dresses hinter den Bühnen stattgefunden zu haben. Sieht aus als hätte man beim ersten Schwarzen ein paar Fetzen vom zweiten Silbernen drangenäht. Scheins soll die ehemalige Modedesignerin Sharon ihr Bühnenoutfit selber zusammenstellen. Wer auch immer das tut und wie diese Zustandekommen, es sieht ganz gut aus und vor allem die dreifache Mutter drin.

Zurück zum wesentlichen. Ein weiteres Duett mit der einen Hälfte ab Band – „What Have You Done“ – wieder ein härterer Song aus den Silent Force Tagen. Der vielleicht härteste Song des Abends wird abgelöst durch eine weitere Ballade „Fire And Ice“. Doch Sharon ist nicht nach Kuscheln zumute. Mit „Let’s Dance“ fordert sie uns auf, endlich mal etwas Bewegung in den Abend zu bringen. Und was wäre einfacher als einen Sommerhit auszupacken. Sie covern Lana Del Rey und deren „Summertime Sadness“. Da kann nicht viel schief gehen und die Meute tanzt dann auch ganz schön – aber meisten tut es Sharon auf der Bühne. Sie verrät uns dann auch nicht ganz überraschend: „I wish I had written this song“. Der Song passt auch perfekt zu der Stimmlage, welche – mir wie schon genug erwähnt – bei Sharon am besten gefällt.

Die Eisprinzessin geht jetzt ab, wie Denise Biellman auf Speed. Bezeichnend, dass da nur ein Song den Abend definitiv beschliessen kann: Ice Queen.

Die Band verabschiedet sich mit einem Föteli ins Publikum kurz vor 23 Uhr nach knapp zwei Stunden Spielzeit.

Das Fanzit

Es wird nicht das Konzert-Highlight des Jahres sein. Aber für einen Sonntagabend war es mehr als nur eine Alternative zum Tatort. Die Hardcore-Fans – wenn es denn solche gibt – dürften zufrieden sein und der grösste Teil des Rests wohl auch. Das Hallenstadion bot eine spektakuläre Kulisse und eine dementsprechend auch grosse Bühne. Doch wenn ein guter Teil der Fans in den Rängen sitzt und die Band auch nicht oft den Kontakt zum Publikum sucht, darf man nicht mehr als eine durchschnittliche Stimmung erwarten. Höhepunkt war nebst Paradise das letzte Viertel des Konzerts, wo nicht nur die Hits gespielt wurden, sondern auch Sharon sich mehr um eine gute Stimmung bemühte.

Setliste Within Temptation

  1. Intro*
  2. Let Us Burn
  3. Paradise (What About Us?)
  4. Faster
  5. Iron
  6. Edge Of The World
  7. Mother Maiden*
  8. In The Middle Of The Night
  9. Angels
  10. Dangerous
  11. And We Run
  12. Tell Me Why
  13. Elements*
  14. See Who I Am
  15. Stand My Ground
  16. Jillian (I’d Give My Heart)
  17. The Cross
  18. Covered By Roses
  19. Mother Earth
  20. What Have You Done**
  21. Fire And Ice**
  22. Summertime Sadness (Cover von Lana del Rey)**
  23. Ice Queen**

*Filmsequenzen auf dem grossen Videoscreen
**Zugaben

Fotos Within Temptation & Lunatica – Hallenstadion Club 2014 (Frank)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 21.03.2014
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