Metalinside.ch - 70'000 Tons of Metal 2019 - Tag 2 - Gloryhammer - Foto pam
Fr, 1. Februar 2019

Gloryhammer – Interview mit Ben, Paul und Tom

Power Metal
05.05.2019
Metalinside.ch - 70'000 Tons of Metal 2019 - Tag 2 - Gloryhammer - Foto pam

In the Name of Dundee!

Eine meiner absoluten Faves sind bekanntlich Gloryhammer. Logisch, dass die Freude darüber, dass sie wieder auf die 70‘000 Tons of Metal Cruise kommen, enorm. Und da auch bald mal ein neues Album ansteht, will ich auf dem Schiff mal checken, wie da der Wasserstand so ist.

Nicht gerade die besten Umstände für ein Interview. Wir sitzen in der Schooner Bar, es ist laut und rundherum hat’s einige etwas nervige Zeitgenossen. Wir – das Gitarrist Paul Templing und Drummer Ben Turk sowie meine Wenigkeit. Der Hootsman (Bassist James Cartwright) sitzt am Tisch daneben und macht den einen oder anderen Spruch, Sänger Thomas Winkler ist anderweitig PR-mässig unterwegs. Aber ihn treffe ich noch etwas später.

Die Shows auf der Cruise

Wir sprechen zuerst mal über die Show heute Morgen (siehe Review und Fotos unter Tag 2). Coole, überraschende Setlist – und erstaunlich viele Leute! „Wir haben zwar drauf gehofft“, erklärt Ben, „aber das haben wir nicht erwartet. Es ist natürlich toll zu sehen, dass die Leute so früh aufstehen um einen zu sehen.“ Nun ja – es war natürlich auch die erste Show auf dem Pooldeck überhaupt. Doch eines macht mir nun Angst: Das zweite Konzert steht in der Lounge an! Der Drummer kommentiert trocken, dass der Laden wohl bumsvoll sein wird…

Aber wie war’s denn heute mit diesen doch eher ungewöhnlichen Bedingungen zu spielen? Ben: „Ja, es gab schon einige Herausforderungen. Meine Cymbals zum Beispiel. Die waren fast senkrecht und ich konnte da nicht richtig draufhauen. Und ich konnte das auch nicht irgendwie verschieben oder so.“ Paul wurde dafür fast fortgeblasen: „Jedes Mal wenn ich an den Bühnenrand lief, kam eine Windböe, die mich wieder zurück trieb. Es war irgendwie knifflig, immer grade zu stehen.“ „Doch sonst war’s grossartig!“ stellt Ben klar. „Man spielt und schaut auf den Ozean hinaus – das habe ich genossen!“.

Vor fünf Jahren waren Gloryhammer bereits auf dieser Kreuzfahrt. Gibt’s markante Unterschiede? Wenig überraschend meinen die beiden unisono: „Neues, grösseres Schiff! Und sonst ist alles mehr oder weniger gleich. Pooldeck und Lounge sind unsere Bühnen.“

Ben fragt, was wohl besser ist: „Letztes mal waren wir um 4 Uhr morgens auf der Poolstage, jetzt um 10 Uhr morgens. 4 Uhr ist das Ende der Nacht, 10 Uhr ist sehr, sehr früh. Was ist besser?“ Klare Sache: 10 Uhr morgens am ersten Tag! Da profitiert man sicherlich davon, dass endlich die Poolbühne in Betrieb kommt!

Das neue Album von Gloryhammer

Doch nun zum neuen Album. Kurz vor der Abfahrt wurde der Titel veröffentlicht – ich kann den auch heute noch nicht auswendig… „Legends From Beyond The Galactic Terrorvortex“ nennt sich das Ding. Thomas Winkler dazu: „Wenn alles normal läuft mit Promotion und so, dann wird das Album Ende Mai auf den Markt kommen. Es wird zehn Tracks plus einen Bonus Track enthalten. Die Songs sind ausgereifter und ich sage das schon jetzt: Es ist das beste Gloryhammer Album bisher!“ Strahlt und lacht – denn das sagt JEDER Musiker über sein neues Werk. Doch der Sänger erklärt die Aussage: „Ich habe das Album ja nicht geschrieben. Ich habe bei ein paar Texten mitgemacht, aber rein von den Melodien her, habe ich nichts gemacht. Darum kann ich das so auch sagen. Die Songs sind cool, catchy – und irgendwie einfach „Erwachsener“ als zuvor.“ Die Spannung steigt! Und jetzt, meine Herren, will ich ein paar Infos dazu haben. Wenn ich bitten darf…

Drummer Ben beginnt zu erzählen: „Es ist storymässig die Fortsetzung des letzten Albums. Während Album eins und zwei 1‘000 Jahre auseinander waren, so setzt dies direkt beim zweiten Album an. Allerdings in einem parallelen Universum. Das Schlüsselwort lautet „interdimensional“.“

Thomas wird dazu noch etwas ausführlicher: „Zum Ende des zweiten Albums entkam Zargothrax durch das Space Portal – diesem Loch im Universum, Angus McFife ist ihm gefolgt. Als Angus dort in dieser neuen Dimension ankommt, ist es wie im alten Dundee. Nur dunkler und eigentlich nicht so, wie es sein sollte. Zargothrax ist hier der Herrscher und der Hammer von Angus McFife funktioniert hier nicht mehr, er ist nicht mehr aufgeladen mit der Energie der alten Dimension.“ Äähm… okee. Ich kann mir das Lachen nicht verkneifen, während der Berner Oberländer grinsend weiter erzählt: „Angus findet ein U-Boot mit der Widerstandsbewegung dieses alternativen Dundee. Der Kapitän Ralathor (also der Drummer Ben Turk) sagt ihm, dass er seinen Hammer wieder aufladen muss mit der Energie dieser Galaxis. Angus muss nun einen Weg finden, dies zu tun – dies ist seine Aufgabe!“ Eine unglaubliche Comic-Geschichte, zweifellos!

In sechs Jahren drei Alben. Das Konzept sieht 21 Alben vor! Bei der Geschwindigkeit bin ich längstens pensioniert oder schon von den Würmern gefressen, wenn das Finale kommt… „Ja, wir werden wohl alle auch in unseren 70ern sein!“ lacht der sympathische Schlagwerker. „Allerdings ist die Chance auch recht gross, dass mindestens einer von uns bis dann tot sein wird!“ Naja, das wollen wir dann doch nicht hoffen… „Wenn wir sieben Alben schaffen – das wäre auch eine tolle Auszeichnung!“ ergänzt er grinsend.

Die Macher bei Gloryhammer

Wer schreibt denn eigentlich die Musik? Chris Bowes war da ja etwas der Alleinunterhalter? Paul erklärt, dass der Alestorm Chef zwar schon ein Weilchen live nicht mehr in Erscheinung getreten ist, aber er hat viel Material zu diesem Album geschrieben. Ben ergänzt: „Wir haben alle etwas dazu beigetragen. Ich habe Zeugs geschrieben, James hat Zeugs geschrieben, Paul hatte noch Sachen übrig vom letzten Album, welches einfach nur rumlag, aber auch er hat noch Neues beigesteuert. Jeder hat also mitgemacht, das ist schon sehr schön so.“ Tom ergänzt: „Es ist so, dass Chris bislang recht viel geschrieben hat. Das war auch beim dritten Album so. Wir werden vielleicht versuchen, etwas von dieser „Abhängigkeit“ von Chris wegzukommen. Der Hootsman (Bassist James) schreibt auch sehr geile Songs. Der neue Track „Gloryhammer“ – die Hymne des neuen Albums – stammt aus seiner Feder.“

Paul verweist auch darauf, dass dadurch auch die verschiedenen Einflüsse der einzelnen Mitglieder ääähm: einfliessen. Gut – und wie sehen nun diese Einflüsse aus? Was hören denn Gloryhammer für Musik? Der Gitarrist kann sich kaum zu einer Antwort entschliessen: „Uff… ich weiss gar nicht… Das variiert von Woche zu Woche.“ Nach langem Überlegen gesteht er, dass er viel Nu Metal hört. Da muss ich mir nun dumme Sprüche besser verkneifen. Ben hingegen steht mindestens im Moment auf ganz anderes als Metal: „Ich höre zur Zeit viel Jazz Fusion und klassisches Zeug“. Ja hoppla… „Ich höre viele Dinge! Aber das ist im Moment das, was ich grad mag. Und klassische Musik höre ich irgendwie auch aus „Forschungsgründen“. Hier auf dem Schiff hab ich mir dafür beispielsweise Unleash The Archers angeschaut.“

Die Nebengeräusche in der Bar werden lauter und lauter, es wird von allen Seiten Quatsch geredet. Irgendwie nimmt keiner mehr das Interview ernst – der Alkoholpegel bei all den Leuten ist enorm hoch. Und so versucht Ben zum Abschluss noch zu erklären, dass man gerne Gloryhammer zu einem Full Time Job machen würde. „Etwas mehr Geld wäre da natürlich von Nöten. Aber zumindest ich hab bei diesem Album eigentlich 100% gearbeitet – für mich ist es also schon fast ein Full Time Job!“

Dann bedanke ich mich für die Zeit und überlasse dem Drummer auch grad noch das Schlusswort: „We don’t drink alcohol in this band!“ Ah ja…

Autor
05.05.2019
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