Arch Enemy - Z7 Pratteln 2019
So, 30. Juni 2019

Arch Enemy, Dreamshade

Z7 (Pratteln, CH)
/ 11.07.2019
Arch Enemy - Z7 Pratteln 2019

Heisser Tanz mit Arch Enemy

Wenn sogar im Innern des Prattelner Metal-Tempels ein Wasserschlauch zum Einsatz gekommen ist, müssen die Temperaturen effektiv höllisch gewesen sein. Und ja, das waren sie! Glücklicherweise hielten diese Umstände die Bands nicht davon ab, starke Performances abzuliefern. Insbesondere der Headliner Arch Enemy aus Schweden spielte sich wie eine gut geölte Maschine durch sein Set. Die beinahe komplett schweissfreie Analyse folgt in den nachfolgenden Zeilen.

Dutti: Haben wir etwa schon wieder Ende Juni? In der Tat; die Zeit schreitet munter und gnadenlos voran. In Winterthur würde zwar der letzte Tag des Albanifestes anstehen, aber diesen lasse ich ausnahmsweise sausen. «Schuld» daran sind die Melodic Death Metaller von Arch Enemy. Das Quintett schaut nach ein paar Festival-Shows nämlich kurz in der Nordwestschweiz vorbei. Weshalb der Event allerdings nicht auf der Summer Nights-Freiluftbühne durchgeführt wird, ist mir aufgrund der vorherrschenden Temperaturen ehrlich gesagt ein Rätsel. Das Ding wurde offenbar gar nicht erst aufgebaut. Interessant, denn im Juli sollten eigentlich gleich mehrere Outdoor-Konzerte durchgeführt werden. Tja, dann müssen wir da wohl oder übel durch. Zuerst wird an der Aussenbar jedoch brav der eigene Flüssigkeitshaushalt wieder aufgestockt. Im Anschluss geht’s hinein in die unangenehme Sauna. Wobei, so schlimm ist es auch wieder nicht. Glücklicherweise hat die Crew sämtliche «Löcher» geöffnet und aufgrund dessen sind doch regelmässig kühle Luftzüge spürbar.

Domi the Stick: Auch ich frage mich, wieso der Event drinnen stattfindet. Immerhin war die Aussenbühne schon bei Demons & Wizards aufgebaut, EAV, Dream Theater etc. spielten draussen und auch live/wire, In Extremo etc. sind für draussen angekündet. Ich würde sogar meinen, dass auch Arch Enemy als Open Air-Event angekündet wurde, aber vielleicht täusche ich mich da… Auf jeden Fall wirds heute schwitzig!

Dutti: Das Z7 durfte im Vorfeld den «Sold Out»-Status vermelden. Damit hätte ich jetzt nicht unbedingt gerechnet. Arch Enemy mögen zwar eine sehr grosse Fan-Gemeinde haben, aber der Social Media-Skandal mit dem niederländischen Knipser, der Ende des vergangenen Jahres massiv zu reden gab, hat doch arg am Image der Truppe gekratzt. Ich möchte hier jetzt gar nicht die alten Kamellen aufwärmen, aber insbesondere das Management (sprich die ehemalige Sängerin Angela Gossow) hat sich in der ganzen Geschichte äussert unrühmlich verhalten. Aber aufgepasst mit den Anschuldigungen: Sämtliche Details kennen wir natürlich nicht, denn keiner von uns war live mit dabei. Nichtsdestotrotz scheint die Popularität der Band am Ende doch nicht so intensiv gelitten zu haben, wie ich zuerst angenommen hatte. Des Weiteren scheinen die heute anwesenden Fotografen problemlos und ungehindert ihres Amtes walten zu können. Irgendwelche Diva-Allüren von Madame White-Gluz sind bisher ebenfalls Fehlanzeige.

Dreamshade

Dutti: Heute Abend bietet sich für jemanden eine ganz grosse Chance: Die Rede ist von den Tessiner Alternative / Melodic Metallern Dreamshade. Dem Fünfer aus Lugano wird die grosse Ehre zuteil, die Masse für Arch Enemy auf Betriebstemperatur zu bringen. Das tun sie in solider Manier und mit viel Energie. Ich habe sie effektiv schon schlechter erlebt. Leider tauchen trotzdem beim Gesang von Kevin Calì phasenweise Vermutungen auf, dass da gewisse Parts ab Band kommen. Irgendetwas ist hier – speziell bei den klargesungenen Abschnitten – nicht einhundertprozentig sauber. Das bleibt jedoch der einzige Störfaktor eines ansonsten durchaus ansprechenden Gigs. Nach rund 45 Minuten beenden die Jungs mit «Photographs» ihre Schicht.

Domi the Stick: Für mich waren die Tessiner bisher eher unbekannt. Mit ihrem sackstarken Auftritt an diesem Abend dürften sie aber bestimmt den einen oder anderen Fan ins Boot holen. Zwar dauert es (wohl auch aufgrund der Hitze) einen Moment, bis das Publikum in Fahrt kommt, doch in der zweiten Hälfte werden die Massen aktiver und auf Aufforderung der Band gibt es sogar Circle Pits. Es ist echt heiss hier!

Arch Enemy

Dutti: Punkt 20.30 Uhr übernimmt der Headliner das Kommando. Weshalb so früh? Die Band muss offenbar direkt im Anschluss nach Bordeaux weiterreisen und aufgrund der langen Fahrt wurde die heutige Spielzeit etwas nach vorne verlegt. Wenn man der eigenen Statistik Glauben schenken darf, steht mir heute tatsächlich Arch Enemy-Konzert Nummer 11 bevor. Ob mich die Künstler somit überhaupt noch irgendwie überraschen können? (Anm. Domi the Stick: Hmm, angenommen ich habe keinen Auftritt vergessen, bist du mir eins voraus und ich feiere heute Jubiläum!).

In Sachen Setliste zumindest schon einmal nicht. Es gibt ziemlich genau das Songmaterial auf die Lauscher, mit welchem die Schweden und ihre kanadische Frontröhre zuletzt häufig unterwegs waren. Show-Elemente, wie beispielsweise das Flaggenschwingen bei «Under Black Flags We March», sind ebenfalls längstens bekannt. Allerdings werden die einzelnen Stücke sackstark und verdammt souverän vorgetragen – das muss man neidlos anerkennen. Arch Enemy funktionieren für mich heute Abend wie eine gut geölte Maschine, die sich durch kein Hindernis aufhalten lässt. Könnte die ganze Performance eventuell beinahe schon zu perfekt sein?

Die Security-Mitarbeiter haben jedenfalls mehr als genug zu tun. Die ersten paar Reihen werden regelmässig mit Wasserflaschen eingedeckt und ab und an kommt sogar der Schlauch zum Einsatz. Dafür scheint die Sanitätsabteilung glücklicherweise kaum gefordert zu sein. Uns zieht es ebenfalls immer wieder an die Bar. Schliesslich muss man diesen saunaartigen Verhältnissen ja irgendetwas entgegensetzen.

«Nemesis» läutet schliesslich langsam aber sich das Show-Ende ein. Bei «Fields Of Desolation» zupfen die Herren Amott und Loomis nochmals ein bisschen an ihren Saitenköniginnen, ehe danach der Outro-Track «Enter The Machine» den wirklichen Schlusspunkt bildet. Die Musiker posieren für das obligate Foto und verschwinden anschliessend im Backstage-Bereich.

Domi the Stick: Arch Enemy stehen bei mir ganz oben auf der Liste der live absolut überragenden Bands. Ich kann nicht sagen, dass dies heute ihr bester Auftritt war; dafür haben sie schon zu viele phänomenale Gigs hinter sich, in welche sich der heutige nahtlos einreiht. Doch was labere ich eigentlich gross über so unbedeutendes Zeug? Mein «Versenfungsjob» gilt heute der Korrespondenz aus der Pit-Region…

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das nach gewissen anderen Konzerten je einmal sagen würde, aber: Noch nie habe ich an einem Konzert so geschwitzt, wie ich es jetzt gerade tue. Schon zu Beginn des Hauptacts ist kein Fleckchen Stoff mehr trocken, und rund um mich herum sieht es nicht anders aus. Die gelegentlichen Wasserattacken der Security bewahren wohl den einen oder anderen Metallkopf vor Überhitzung und immer wieder gibt es Abstecher an die Bar, von welcher sogar nicht-alkoholische Getränke wie Rivella in den Pit gebracht werden. Der mehr oder weniger unfreiwillige Sauna-Gang lohnt sich aber extrem: Dank der spektakulären Bühnenpräsenz und dem genialen Zusammenspiel der Live-Macht Arch Enemy sowie der gewaltigen Lust, die das Publikum auf die Erzfeinde hat, entwickelt sich das Ganze zu einem nicht aufhören wollenden Abriss. Ich könnte den Abend jetzt noch mehr in den Himmel loben, doch ich lasse es bei den folgenden Worten: Einfach. Nur. Geil. Ein wenig getrübt wird der Abschluss dann von einer Schlägerei um ein Plektrum, welche die Security leider nicht mitbekommt…

Das Fanzit

Dutti: Ein heisser und schweisstreibender Z7-Abend. Arch Enemy spielten saustark auf und rissen die Zuhörerschaft praktisch durchgehend mit. Für das nächste Gastspiel dürften sie sich meines Erachtens allerdings ruhig wieder einmal an gewissen Setlisten-Experimenten versuchen. Chapeau auch an die gesamte Crew der Konzertfabrik, die immer wieder versuchte, der Hitze entgegenzuwirken und dem Publikum etwas Abkühlung zu verschaffen. Des Weiteren hoffe ich, dass alle nach der Show gesund nach Hause gekommen sind, denn scheinbar hat es in der Nähe des Bahnhofs von Pratteln einen heftigen Brand gegeben. (Anm. Domi the Stick: Yepp, der Z7-Parkplatz liegt ja unweit des Bahnhofs und hier war der Gestank doch eher penetrant…)

Setliste – Dreamshade

  1. Intro
  2. Autumn Leaves
  3. Where My Heart Belongs
  4. Consumed Future
  5. Dreamers Don’t Sleep
  6. On My Own
  7. Question Everything
  8. It’s Over
  9. Sandcastles
  10. Sleep Alone
  11. Your Voice
  12. Photographs

Setliste – Arch Enemy

  1. Intro – Set Flame To The Night
  2. The World Is Yours
  3. Ravenous
  4. Stolen Life
  5. War Eternal
  6. My Apocalypse
  7. The Race
  8. You Will Know My Name
  9. Under Black Flags We March
  10. Dead Eyes See No Future
  11. The Eagle Flies Alone
  12. First Day In Hell
  13. Saturnine (Song ab Tape)
  14. As The Pages Burn
  15. No Gods, No Masters
  16. Dead Bury Their Dead
  17. We Will Rise
  18. Avalanche*
  19. Snow Bound*
  20. Nemesis*
  21. Fields Of Desolation*
  22. Outro – Enter The Machine*

Wie fandet ihr das Konzert?

Arch Enemy, Dreamshade
User Bewertung: 9/10

/ 11.07.2019
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