Fr–Sa, 3.–4. Juni 2016

ALLMEND ROCKT presents SONISPHERE FESTIVAL 2016

Allmend (Luzern, CH)
11.07.2016

EdForce One im Anflug

Es erste Juni-Wochenende dieses Jahres stand ganz im Zeichen des Auftakts zur Festivalsaison 2016. Viele gestandene Openairs sollten in den folgenden Wochen folgen. Mit dem Sonisphere Festival stand aber gleich zu Beginn eines der absoluten Highlights des Sommers in der Agenda. Iron Maiden, Rammstein, Slayer und viele weitere bekannte Namen lockten im Rahmen von Allmend Rockt insgesamt 70’000 Menschen nach Luzern.

Der Freitag mit Iron Maiden und viel Regen

Als auf der Allmend vor 2 Jahren erstmals ein Rockfestival auf die Beine gestellt wurde, sprach man schon mal vom grössten Rockfestival der Zentralschweiz. Shakra, The Bosshoss und Gölä rockten damals vor 10’000 Zuschauern die Swissporarena. Zufrieden mit diesem Ergebnis, hofften die Veranstalter für das Folgejahr auf mehr, mussten den Grossanlass 2015 aber trotz fortgeschrittener Vorbereitungen absagen. Zu gross war das finanzielle Risiko, zu schwierig die Situation auf dem Markt. Der Fokus wurde auf die Ausführung 2016 gelegt, und das mit Erfolg. In Zusammenarbeit mit Goodnews konnte man das Sonisphere Festival zurück in die Schweiz holen – und so mit der zweiten Edition von Allmend Rockt ein Line-Up der Superlative präsentieren. Als es am Freitagnachmittag losging, stand einem unvergesslichen Wochenende also kaum etwas im Wege. Vorausgesetzt, man hatte sich auf etwas Regen vorbereitet. Der Wetterbericht hatte es angekündigt: Petrus sollte sich nicht als Freund der harten Klänge präsentieren.

The Wild Lies

The Wild Lies eröffneten das Programm um 15:30, gefolgt von The Raven Age – dem Projekt von George Harris, Sohn von… richtig, Steve Harris, Bassist und Gründungsmitglied von Iron Maiden. Als Newcomer mit Iron Maiden um die Welt zu touren, dürfte den Jungs bestimmt als wertvolles Sprungbrett dienen, sofern sie dieses dann auch zu nutzen wissen. Auch wenn musikalisch einiges an Entwicklungsspielraum besteht, zeigten sich die Briten in Luzern spielfreudig und deuteten bei ihrem ersten Auftritt auf Schweizer Boden durchaus ihr Potential an. Bitter war einzig die Aufforderung an die Fans, näher zur Bühne zu stehen. Golden Circle sei Dank: Wo sonst die Stimmung am besten ist, herrschte noch gähnende Leere…

Gojira

Mit Gojira folgte ein erster namhafter Act, während dessen Auftritt sich das riesige Gelände der Luzerner Allmend auch langsam zu füllen begann. Bei noch angenehmen Bedingungen sorgten die Franzosen mit einer Prise Härte für ausgezeichnete Stimmung – zum Glück, denn es sollte der letzte trockene Auftritt des Abends sein. Kurz bevor die US-Truppe von Tremonti auf die Bühne kam, öffnete Petrus seine Schleusen. Und wie! Innert kurzer Zeit verwandelte sich das vorbelastete Terrain stellenweise in eine Schlammlandschaft. Dank guter Vorbereitung der Organisatoren – der Grossteil des Geländes war ein Kiesplatz, heikle Stellen wurden abgedeckt – beschränkten sich die entsprechenden Probleme auf einige wenige Bereiche.

Die anwesenden 20’000 Musikfans (mehr Tickets durften für den Freitag aufgrund von Auflagen der Stadt nicht verkauft werden) liessen sich die gute Laune nicht nehmen. Sie trotzten dem strömenden Regen und feierten die schwedische Truppe von Sabaton. Auch wenn diese die Dekoration für ihre Verhältnisse stark reduzieren musste und so das eine oder andere Kriegsgerät vermissen liess: Die Schweden sorgten für Stimmung, zeigten Petrus lachend den Mittelfinger und powerten auf altbekannte, unermüdliche Art ihre Kriegsgeschichten in die Menge.

Iron Maiden

Dann war alles angerichtet für das Highlight des Abends. Die (zugegeben, subjektiv betrachtet) beste Metalband der Gegenwart flog in den vergangenen Monaten mit der Ed Force One – der bandeigenen Boeing 747 – rund um den Globus und spielte dabei bereits 43 Shows in 14 Ländern, viele weitere sollten noch folgen. Dabei wurden selbst der Aviatik eher abgeneigte Metalheads vom Train- zum Planespotter – siehe dazu die Fotos (Link unten) von Kaufi vom Zürcher Flughafen!

Die Anreise mit einem eigenen Jumbo sucht nicht nur in der Musikwelt seinesgleichen. Und doch übertrumpften sich Iron Maiden spätestens auf der Bühne von Neuem: Die Bühnendekoration in Anlehnung an die Maya beeindruckte. Genauso der Auftritt der Rocker, welche ihr Publikum nach wie vor voller Energie zu unterhalten wissen. Dass Bruce dem neu eröffneten Gotthard-Basistunnel die Schuld am schlechten Wetter gab, wollte zwar geographisch nicht ganz stimmen – störte das Publikum aber genauso wenig wie der anhaltend starke Regen. Denn sie waren wegen der Musik hier, und sie wurden nicht enttäuscht!

Im Rahmen der The Books of Souls Tour präsentierten die Briten eine Vielzahl an Songs des gleichnamigen Albums, immer wieder gespickt durch Hits früherer Tage. So brachten sie beispielsweise mit Children of the Damned oder The Trooper in der ersten Konzerthälfte etwas Abwechslung in die Setlist, nachdem If Eternity Should Fail und Speed of Light – analog zur neuen Platte – den Auftakt bildeten. Gegen Schluss sorgten Fear of the Dark und Blood Brothers für Hühnerhaut-Stimmung und mit Wasted Years gaben Iron Maiden ihrem Publikum einen der geilsten Songs überhaupt auf den Heimweg! „… and realize you’re living in the golden years!“ – diese Erkenntnis gilt mindestens solange wie diese Herren die Welt umfliegen!

Ach ja, übrigens: Genau 2 Minuten nach dem Auftritt von Iron Maidon hörte es dann auch wieder mal auf zu regnen…

(Fortsetzung Tag 2 nach den Fotos von Tag 1)

Fotos von Röschu – Tag 1

Samstag mit Rammstein, viel Thrash und noch viel mehr Fans 

Camping war im Bereich der Allmend nicht möglich. Wer also ein 2-Tages-Ticket hatte, entschied sich im Normalfall für den Heimweg oder ein Hotel in der Region. In beiden Fällen waren eine warme Dusche und trockene Kleidung für den Samstag genauso an der Tagesordnung wie der Blick auf den Wetterbericht. Dieser dürfte kaum jemandem Mut gemacht haben – die Vorhersagen zeigten, dass den ganzen Tag über mit Regen und Gewitter zu rechnen sei. Nicht etwa schweizweit, sondern fast ausschliesslich in der Region um Luzern. Versteht sich…

Ganz ohne Regen ging der frühe Nachmittag zwar nicht über die Bühne, im Vergleich zum Vortag blieb es dann aber doch erstaunlich trocken. Da liess sich hinter der Bühne tatsächlich auch mal der Pilatus blicken (war der am Vortag auch schon da?). Bevor Tuxedo und Shakra den Nachmittag eröffneten, hatte die lokale Feuerwehr zudem Wasser vom Gelände abgepumpt – die Allmend war also bereit für den Ansturm von 50’000 Menschen!

Powerwolf

Nach The Shrine setzten Powerwolf das Programm mit ihrer Metal-Messe fort. Farbenfroh wie kaum je zuvor zeigte sich dann Anthrax. Das Cover der neuen Platte For All Kings liess die Bühne ungewöhnlich bunt erleuchten. Die Regenbogenfarben sorgten in ihrer Pracht offenbar für gute Laune: Sänger Joey sorgte mit diversen humoristischen Einlagen für Auflockerung, spielte mit Publikum und Kameramann gleichermassen. Durchaus witzig anzusehen, und auch instrumentell ist die Thrash-Truppe aus den USA nach wie vor ein sicherer Wert!

Apocalyptica, Slayer

Passend dazu gestalteten darauf Apocalyptica ihr Set. Neben eigenen Titeln konnten die Finnen das Publikum mit dem überzeugen, was sie ursprünglich bekannt gemacht hatte: die Covers von Metallica’s Master of Puppets und Seek & Destroy, gespielt auf Cellos. Die gute Stimmung kam dabei wohl auch daher, dass gleich darauf ein weiterer der Big Four of Thrash Metal die Bühne in ihre Einzelteile zerlegte. Slayer lockte eine beachtliche Anzahl an Fans nach Luzern und bliebt diesen nichts schuldig. Präzise, schnell, energisch – Thrash der feinsten Sorte. Die mittlerweile bis auf den letzten Meter gefüllte Allmend bebte. Und das abschliessende Highlight sollte erst noch folgen.

Rammstein

Erstmals seit dem Greenfield Open Air 2013 präsentierten sich Rammstein ihrem Schweizer Publikum. Als zweiter ganz grosser Act brachten die Deutschen Unmengen an pyrotechnischem Material nach Luzern. Entsprechend laut und mit viel Rauch ging es los. Und dazu mit einem brandneuen Song, zusammengebastelt aus alten Titeln. Oder eben passend dem Motto „auferstanden aus Ruinen“. Ob Ramm 4 bald als Titelsong eines neuen Albums bestätigt wird? Wir sind gespannt…

Über 50’000 Fans – die imposante Zahl soll einfach nochmals erwähnt sein – kamen in den Genuss einer überzeugenden Show. Rammstein richteten mit grosser Kelle an: So fanden Titel einen Platz auf der Setlist, welche bisher kaum je live gespielt wurden (Reise, Reise; Halleluja; Zerstören). Spätestens bei Feuer Frei wurde dem Publikum dann richtig eingeheizt: Dienten die vorderen Türme inmitten der Menge bisher nur als Halterung für die Soundanlage, so mussten sie nun für Feuerwerk hinhalten. Auch von weit hinten einfach nur geil anzusehen!

Rammstein steigerte sich im Verlauf der Show, bot mit Links 2-3-4, Ich Will oder Amerika zum Schluss genau das, was die Fans hören wollten. Nicht weiter verwunderlich, dass sich das Publikum nicht ohne Zugaben zufriedengeben würde. Selbst ausserhalb des Konzertgeländes wurde dann zu Sonne gefeiert und mitgesungen – Hunderte von Anwohnern liessen es sich nicht nehmen, das Spektakel aus sicherer Distanz mitzuerleben. Nachdem Ohne Dich in einer Akustik-Version präsentiert wurde (ja, Rammstein können auch anders!), folgte mit Engel der krönende Abschluss eines grossartigen Festivals.

Fanzit

Überaus positiv fällt entsprechend das Fanzit aus. Goodnews und Allmend Rockt gelang mit der Ausführung des diesjährigen Sonisphere Festivals ein grandioser Wurf. Neben dem Grossteil der Besucher dürften auch die Veranstalter sehr zufrieden sein. Hagelte es nach früheren Grossanlässen im Rahmen der Sonisphere-Reihe teils heftige Kritik, so war diesmal von Beginn weg ein klar durchdachtes Konzept erkennbar. Herausforderungen wie Transport und das schlechte Wetter wurden den Möglichkeiten entsprechend gut gemeistert. Besonders die Abreise der Zuschauermassen war grossartig organisiert, fuhren Extrazüge nach Konzertschluss doch im 5-Minuten-Takt (!) vom Messegelände an den Hauptbahnhof! Dass der Verkehr in der Innenstadt aufgrund zusätzlich fahrender Busse und tausenden von Fussgängern zum Erliegen kam, musste bei einem Anlass dieser Dimensionen schlichtweg in Kauf genommen werden.

Nicht rundum zufrieden waren diejenigen, welche am Samstag über eine Stunde auf den Einlass warten mussten. Meine Meinung dazu: Wer an einem solchen Event erst auf den letzten Drücker aufs Gelände will, ist zumindest teilweise selber schuld. Da verstehe ich eher diejenigen, welche eine gefühlte Ewigkeit für die Toiletten anstehen mussten. Ob dies nur punktuell oder auf dem ganzen Gelände der Fall war kann ich nicht beurteilen – eine mögliche Erklärung wäre aber, dass die Leute am Getränkestand kaum einmal für ihr Bier anstehen mussten (Daumen hoch!). Da schlägt die Natur dann halt erbarmungslos zurück…

Sicher, Verbesserungspotential für zukünftige Ausführungen besteht in einzelnen Bereichen. Die Betonung liegt hier aber vielmehr auf der grossen Hoffnung, dass die Veranstalter das Sonisphere Festival auch nächstes Jahr nach Luzern holen!

Fotos Röschu – Tag 2


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11.07.2016
Weitere Einträge von

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