Hämatom - Schüür Luzern 2018 (Flyer)
So, 18. Februar 2018

Hämatom, Dymytry

Schüür (Luzern, CH)
20.02.2018
Hämatom - Schüür Luzern 2018 (Flyer)

Sonntagabend? Leck mich!

Am 18. Februar fand in der Schüür in Luzern das Hämatom-Nachholkonzert statt. Als Vorband spielten Dymytry zum allerersten Mal einen Gig in der Schweiz, danach legten die vier Himmelsrichtungen das kleine Konzertlokal in «Schutt und Asche». Alle Details gibt es wie gewohnt im Bericht.

Rückblick: Am Hämatom-Konzert letzten Oktober im Z7 verrät die Band, dass sie am 3. Februar für eine Release-Party zu ihrem neuen Album «Bestie der Freiheit» zurück in die Schweiz kommen werden. Es folgt eine riesige PR-Kampagne mit vorab veröffentlichten Songs, eigenem Adventskalender, Autogrammstunden, Release Parties und einem Überraschungskonzert in Magdeburg. Nach der eigentlichen Album-VÖ folgen die vier Release-Shows in Deutschland, bevor die Nachricht von Nords Stimmbandentzündung Österreich und die Schweiz erreicht. Die beiden Shows in Wien und in Luzern werden verschoben… Die Schüür improvisiert und organisiert kurzerhand die beiden Schweizer Bands Irony Of Fate und End Of Silence für das erste und wohl einzige «Get Well Soon Nord Festival 2018».

Zeitsprung, 18. Februar, EG Schüür: Heute ist es endlich so weit. Nord hat sich erholt und Hämatom befinden sich auf einem Abstecher der jetzigen Tour durch Tschechien. Ich bin noch am Merch-Stand und kaufe eines der neuen Hämatom Shirts, als im oberen Stock die Vorband Dymytry (welche auf der Tschechien-Tour der Headliner ist) bereits loslegt. Von unten tönt deren Musik ziemlich wüst und ich überlege mir zweimal, ob ich da wirklich hoch will. Von meiner Neugier getrieben folge ich aber trotzdem den bösen Klängen.

Dymytry

Was mich hier erwartet, haut mich fast aus den Socken! Dymytry, welche für Heldmaschine einspringen (diese können wegen der Verschiebung am heutigen Tag nicht als Vorband auftreten), nehmen den Laden schon mal auseinander. Musikalisch zumindest, und stimmungstechnisch auch auf der Bühne. Die Band ist gut gelaunt, die Musiker zeigen eine natürliche Art, sie gehen freudig ab. Der Funke will aber allem Anschein nach nicht so recht aufs Publikum überspringen. Irgendwie schade, vielleicht liegt das ja am Stil. Psy-Core nennt sich das Subgenre der Tschechen, vergleichbar ist dieses mit Industrial und Melodic Death Metal. Mich hat die Band auf jeden Fall auf ihrer Seite, gebannt schaue ich dem Geschehen auf der Bühne zu und kann einige Headbang-Moment nicht unterlassen.

Der Publikumsliebling unter den Tschechen ist wohl eindeutig der Drummer. Während der ganzen Show trommelt er schon auf sein Set ein, als gäbe es kein Morgen mehr. Als er aber mit seinem Solo beginnt, weiss ich (und das obwohl ich selber Schlagzeug spiele) plötzlich nicht mehr, wo oben und wo unten ist. Der Typ, namentlich ‘Mildor’, punktet mit einer enormen Geschwindigkeit und einer noch stärkeren Ausdauer sowie einer gigantischen Brutalität. Oft ist es ja leider so, dass das Drum-Solo der Punkt eines Konzerts ist, an dem viele ein Bier holen oder das WC aufsuchen. Heute aber wird das Drum-Solo von allen gefeiert. Um es in den Worten von Frontmann ‘Protheus’ auszudrücken: «So much nice!»

Hämatom

Während der Umbauphase wird, wie so oft bei Hämatom, ein weisser Vorhang gespannt, der die Sicht auf die Bühne verdecken soll. Dieses Mal gibt es aber nicht noch lange Schattenspiele. Stattdessen bleibt erst mal einfach der Vorhang da, es ertönt ein Grunzen. Das Grunzen der Bestie. Es folgt ein Streicher-Intro mit der Melodie von «Zeit für neue Hymnen» und schon fällt der Vorhang. Hämatom legt los, das Publikum ebenso. Da zwischen Album-VÖ und Release Show jetzt nicht eine, sondern über drei Wochen vergangen sind, ist das Publikum auch bei den neuen Songs schon sehr textsicher. Nach «Mein Leben – Meine Regeln», dem zweiten neuen Song auf der heutigen Setliste, springen die Franken ohne Ankündigung zu alten Songs zurück: Es wird ‘gestürmt’ und ‘getanzt’, «Feuerwasser» getrunken und ‘das System gefickt’.

Zwischen den alten und den neuen Songs besteht ein gesundes Mischverhältnis. Erwartungsgemäss hätten wohl mehr Songs vom neuen Album kommen müssen. Schliesslich spielt Hämatom gerne aktuelle Songs und immerhin ist es eine Release Show. Ich würde sogar behaupten (ohne dies jetzt nachzuprüfen), dass beim Konzert im Oktober mehr Songs vom damals aktuellen Album «Wir sind Gott» gespielt wurden als heute von «Bestie der Freiheit». Mir gefällts trotzdem, für meinen Geschmack hätten es sogar noch mehr alte Songs à la «Butzemann», «Spieglein» oder «Schau, sie spielen Krieg» sein dürfen.

Auch bezüglich Bühnenshow kombinieren Hämatom Altes mit Neuem. Während «Schutt und Asche» kommt wie gewohnt die von West bediente T-Shirt-Kanone zum Einsatz. Es gibt eine neue Fahne mit dem Antlitz der Bestie und «Mörder» wird von einem auf einen Elektrostuhl gepackten Nord gesungen. Dass ihm während dem Song der Ohrenschutz rausfällt, scheint ihn auch nicht gross zu kümmern. Im Gegenteil, er versetzt sich in seine Texte und bringt seine Gefühle richtig gut rüber. Hühnerhaut pur und ganz grosses Kino! Einziges Manko in Sachen Show: Der Platz auf der Bühne wird nicht richtig genutzt. Die drei «Stehmusiker» Nord, Ost und West stehen jeweils lange am vorderen Bühnenrand. Man muss sich ja gar nicht viel bewegen, eine gewisse Starre mag durchaus zum Gesamtbild passen. Aber der Schlagzeuger Süd scheint so irgendwie zu abgeschottet.

Eine für mich relevantere Kritik – in Sachen Sicherheit – geht aber an die Location: Ich unterstütze ja den Plastikbecher-Verschleiss auch nicht und Depot-Systeme finde ich auch nur bedingt sinnvoll. Aber dass Gläser aus richtigem, zerbrechlichem Glas verteilt werden, verstehe ich bei einem Konzert dieser harten Gangart nicht. Mehrere Gläser zerbersten im Pit, und auch wenn die Scherben ungefährlich sind, ist es nicht angenehm, den Rest des Konzertes darauf rumzustehen (Anm. der Redaktion/pam: Hm, das ist einer der Punkte, den wir sonst bei der Schüür schätzen immer sonst immer positiv erwähnten – da vertraut man dem Publikum und setzt auf Glas inklusive Glasflaschen und meist auch ohne Absperrung/Pit vor der Bühne – was zwar für die Fotografen nicht so toll ist, aber Konzerte sind ja in erster Linie für die Fans. Normalerweise klappt das auch immer sehr gut mit dem Glas – fällt mal eines zu Boden, werden die Scherben schön zur Seite gewischt. Aber scheinbar zieht Hämatom ein anderes Publikum an, als wir von der Schüür gewohnt sind. Trotz dieser negativen Erfahrung, hoffen wir doch, dass die Schüür noch lange an dieser Glastradition festhält und somit die Ami-Bands immer wieder mal schockt. Vor allem in einer Zeit, in der alles im Namen der Sicherheit überreguliert wird). Noch schlimmer finde ich aber, dass keinerlei Sicherheitspersonal die Menge im Griff hat. Es gibt mehrmals fast Schlägereien und nur durch das Eingreifen anderer Besucher werden diese verhindert.

Doch genug der Kritik! Nach «Mörder» bringt die Band noch vier weitere «alte» Songs, um danach kurz hinter der Bühne zu verschwinden. Die Pause dauert aber nicht lange, es gibt sogleich eine drei Songs lange Zugabe: Nach «Wir sind Gott», «Eva» (hier werden Rosen an die vordersten Mädels verteilt) und «Leck Mich» ist Schluss. Aus den Lautsprechern ertönt der «Todesmarsch» und die Musiker setzen sich während diesen wenigen Minuten noch an den Bühnenrand, um sich von den Fans feiern zu lassen. Das haben sie sich verdient!

Das Fanzit

Was für ein Abend! Dymytry spielen eine grandiose Show und haben mit mir an diesem Abend mindestens einen neuen Fan gewonnen. Hämatom wird getrieben von der Bestie der Freiheit und nimmt die Schüür zusammen mit dem Publikum auseinander. Von Nords Stimmbandentzündung ist nichts mehr zu spüren und generell ist der sympathische Frontmann um keinen Scherz mit dem Publikum verlegen. Auf jeden Fall freue ich mich auf ihre Shows auf der Full Metal Cruise im April und auf nächsten Oktober! Dann seien die vier Himmelsrichtungen anscheinend wieder zurück in der Schweiz. Man sei gespannt…

Setliste Hämatom

  1. Zeit für neue Hymnen
  2. Mein Leben – Meine Regeln
  3. Sturm
  4. Tanz aus der Reihe
  5. Säulen des Wahnsinns
  6. Warum kann ich nicht glücklich sein?
  7. Ikarus Erben
  8. Feuerwasser
  9. Lange nicht perfekt
  10. Fick das System
  11. Schutt und Asche
  12. Lichterloh
  13. Seelenpiraten
  14. Made in Germany
  15. Mörder
  16. All You Need Is Love
  17. Totgesagt doch neugeboren
  18. Alte Liebe rostet nicht
  19. Kids (2 Finger an den Kopf)
  20. Wir sind Gott*
  21. Eva*
  22. Leck mich*
  23. Outro: Todesmarsch

*Zugaben

Setliste Dymytry

  1. The Axe
  2. United We Stand
  3. Pod Vodou
  4. Z Pekla
  5. Barricades
  6. Ocelova Parta
  7. Bless Us
  8. The Watchtower

Wie fandet ihr das Konzert?

20.02.2018
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