Europe - Ian Haugland 2026
Do, 23. Juli 2026

Europe – Interview mit Ian Haugland

Bluesrock, Hardrock, Rock
01.08.2026
Europe - Ian Haugland 2026

Zwischen Nostalgie, Rockstar-Exzessen und neuem musikalischen Aufbruch

2026 ist für die schwedischen Hard-Rock-Legenden ein echtes Jubel- und Rekordjahr: Das epochale Erfolgsalbum «The Final Countdown» feiert seinen 40. Geburtstag, im Spätsommer steht ein brandneues Studiowerk in den Startlöchern und eine ausgedehnte Tour führt die Band im Herbst auch wieder in die Schweiz (12.10.2026, Salle Métropole Lausanne / 13.10.2026, Volkshaus Zürich).

Ein gewinnendes Lächeln auf dem Bildschirm, exklusive Einblicke im Gepäck: Als ich mich am 23. Juli 2026 mit Europe-Drummer Ian Haugland via Zoom zusammenschaltete, entwickelte sich schnell ein ebenso sympathisches wie lockeres Gespräch. Darin nimmt uns Ian mit auf eine Reise durch die wilden 80er-Jahre, reflektiert über Fluch und Segen eines globalen Megahits und blickt auf die Anekdoten rund um die Schweizer Powerplay Studios in Maur zurück. Gleichzeitig beleuchtet er den Wandel des Musikbusiness, gewährt Einblicke in die kommende Setlist und erklärt, warum Europe anno 2026 so mutig klingen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Schnallt euch an für eine Zeitreise von den 80ern bis ins Hier und Jetzt – viel Spass beim Lesen!

Sommerhitze, Generationswechsel und treue Fans

Die Sommermonate 2026 verlangen Musikern auf den europäischen Festivalbühnen einiges ab. Doch Europe sind ein eingespieltes Team, das sich weder von tropischen Temperaturen noch von strammen Terminplänen aus der Ruhe bringen lässt. In den Publikumsreihen zeigt sich derweil ein Bild, das viele Classic-Rock-Bands neidisch machen dürfte: Neben den Weggefährten der ersten Stunde erobern längst auch neue Fans die vorderen Ränge.

Metalinside (Sandro): Hallo Ian! Wie geht es dir und wie verbringst du diesen Sommertag?

Ian Haugland: Mir geht es super! Ich sitze hier in Schweden bei angenehmen 20 Grad – ein wirklich schöner Tag bei uns im Norden.

MI: Da beneide ich dich fast ein wenig. Bei uns in der Schweiz hatten wir in der letzten Woche bis zu 35 Grad, da kam wirklich jeder ins Schwitzen.

Ian: Oh, das kenne ich! Wir haben vor ein paar Wochen eine kurze Tour in Italien gespielt. Auf der Bühne hatte es gefühlt zwischen 35 und 40 Grad. Das war eine verdammt schweisstreibende Angelegenheit!

MI: Das glaube ich dir aufs Wort! Aber wie sieht eigentlich eine ganz normale Woche im Leben von Ian Haugland aus, wenn man sich mitten in den Vorbereitungen für die Jubiläumstour und das neue Album befindet?

Ian: Morgen fliegen wir nach Spanien für ein Festival [Son Do Mar 2026, am 25.07.2026 in Meaño]. Ein paar Tage später drehen wir das Video zur nächsten Single, die Mitte August erscheint, und direkt danach geht es weiter zum Wacken Open Air. Es liegt also eine ziemlich vollgepackte Woche vor uns!

MI: Bei euch kollidieren dieses Jahr gleich drei grosse Ereignisse: Das 40-jährige Jubiläum von «The Final Countdown», das neue Album und die anstehende Tour. Wenn du heute von der Bühne ins Publikum blickst: Siehst du da noch dieselben Metalheads, die sich damals schon «Wings of Tomorrow» gekauft haben, oder hat eine neue Generation die Frontreihe übernommen?

Ian: Es ist eine gesunde Mischung aus beidem! Ich erkenne immer noch viele Gesichter in der Menge, die uns schon seit Ewigkeiten begleiten, wofür wir extrem dankbar sind. Aber es ist genauso genial zu sehen, wie viele junge Leute nachrücken – die nächste Generation verrückter Europe-Fans! Dass wir nach all den Jahren immer noch ein so grosses und auch neues Publikum anziehen können, ist ein riesiges Privileg.

Der Schatten des Erfolgs: Die zwei Seiten von «The Final Countdown»

Mit dem Titelsong ihres 1986er-Erfolgsalbums schufen Europe eine Hymne für die Ewigkeit. Das markante Synthesizer-Riff brannte sich ins kollektive Gedächtnis der Popkultur ein. Doch der gigantische Erfolg brachte auch Schattenseiten mit sich: Plötzlich fand sich eine Hardrock-Formation auf den Titelseiten von Teeniemagazinen wie der «Bravo» wieder.

MI: «The Final Countdown» wird dieses Jahr 40 Jahre alt. So ein Mega-Hit ist natürlich ein Segen, aber in meinen Augen auch ein zweischneidiges Schwert – etwas, worüber ich schon 2023 mit Joey Tempest gesprochen habe [zum Interview]. Einerseits hat euch die Nummer unsterblich gemacht, andererseits überstrahlt sie manchmal den Rest eures Schaffens. Wie hast du diesen Hype persönlich erlebt? Musstet ihr damals gegen ein aufgedrängtes Pop-Image ankämpfen?

Ian: Es ist definitiv ein zweischneidiges Schwert. Ohne diesen Track sässen wir beide heute wahrscheinlich gar nicht hier. Er hat uns Türen geöffnet und die Karriere ermöglicht, die wir bis heute geniessen dürfen. Auf der anderen Seite ist es natürlich schwerer, die Leute dazu zu bringen, auch das neuere Material unvoreingenommen anzuhören. Aber genau dieser Erfolg gibt uns überhaupt erst die Freiheit, neue Alben aufzunehmen und unsere kreativen Ambitionen auszuleben. Als wir uns 2003 wiedervereinigten, war die wichtigste Bedingung: Wir wollen eine aktive Band sein, neue Musik schreiben und nicht nur als Nostalgie-Act alte Hits wiederkäuen. Heute können wir mit dieser Sonderstellung viel entspannter umgehen. Wir nutzen den Status von «The Final Countdown» dankbar als Treibstoff, um genau die Musik zu machen, auf die wir Lust haben.

MI: Wart ihr damals irgendwie darauf vorbereitet, was mit dem Song auf euch zukommen würde?

Ian: Überhaupt nicht! Ich erinnere mich noch genau daran, als Joey mir das Demo damals im Auto vorspielte. Es war das letzte Stück, das vor den Studioaufnahmen fertig wurde. Joey meinte: «Hey, ich habe da noch was geschrieben, hör mal rein.» Mein erster Gedanke war: Das ist extrem speziell und klingt völlig anders als alles, was Europe bisher gemacht haben – eigentlich anders als alles, was ich jemals gehört hatte. Aber ich dachte keineswegs: «Aha, das wird jetzt der Welt-Hit!» Das Synthesizer-Thema war zwar eingängig, aber die Nummer hatte ein langes Intro und eine eher unkommerzielle Struktur. Wir selbst rechneten eher damit, dass «Rock The Night», «Cherokee» oder «Carrie» die grossen Dinger werden würden. Als die Plattenfirma «The Final Countdown» als erste Single auskoppeln wollte, waren wir total überrascht und dachten nur: «Verrückt… aber wenn ihr meint, versuchen wir es!»

MI: Ausnahmsweise hatte das Label recht!

Ian: [lacht] Ja, für einmal lagen sie goldrichtig! Meistens treffen Plattenfirmen ja eher seltsame Entscheidungen, aber da hatten sie den richtigen Riecher.

Taxis, Extravaganzen und die Idylle von Maur

Nach dem weltweiten Durchbruch stieg der Erwartungsdruck immens. Für das Nachfolgealbum «Out of This World» (1988) standen der Equipe plötzlich gigantische Budgets zur Verfügung. Im Gespräch blickt Ian auf die wilde Zeit zurück, in der Europe das Rockstar-Leben in vollen Zügen genossen – und erinnert sich schmunzelnd an die bodenständigen Aufnahmetage im Schweizer Powerplay Studio in Maur am Greifensee.

MI: Nach so einem epochalen Werk liegt die Messlatte für den Nachfolger schwindelerregend hoch. Habt ihr diesen Druck im Studio gespürt, als ihr «Out of This World» aufnahmt?

Ian: Der Druck war gewaltig, logisch. Man erwartete von uns mindestens den gleichen Erfolg. Das Label redete uns nicht direkt rein, und wir spürten eine neue Narrenfreiheit. Wir haben das Rockstar-Leben damals richtig zelebriert. Wenn wir in London vom Hotel ins Studio fuhren, stiegen wir nicht gemeinsam in ein Taxi – nein, jeder nahm sein eigenes! Wir dachten, die Plattenfirma spendiert das alles. Dass das am Ende komplett von unserem eigenen Kuchenstück abgezogen wurde und wir selbst dafür zahlten, realisierten wir erst viel später! [lacht] Joey verspürte als Songwriter sicher den grössten Druck, an das Vorgängeralbum anzuknüpfen. Ich finde übrigens, dass «Out of This World» von den Liedern her qualitativ sogar ausgewogener ist als «The Final Countdown» – ihm fehlt lediglich dieser eine, überragende Ausreisser nach oben.

MI: Joey erinnerte sich noch sehr lebhaft an die Aufnahmen zu «The Final Countdown» im beschaulichen Powerplay Studio im zürcherischen Maur. Er meinte scherzhaft, ihr seid dort bewusst «eingesperrt» worden, damit ihr nicht im Zürcher Nachtleben versumpft. Was ist deine liebste Erinnerung an diese Zeit in der Schweiz?

Ian: Ich habe sofort dieses eine Bild vor Augen, wenn ich an den Aufnahmeraum denke: Da gab es diese riesigen Panoramafenster. Wenn man hinter dem Schlagzeug sass, blickte man direkt ins Grüne, auf den See, Wiesen mit Kühen und im Hintergrund die wunderbaren Alpen. Das sah aus wie auf einer Kitsch-Postkarte! Dazu klang der Raum phänomenal. Und dass wir dort vor Ort wohnten, war für den kreativen Prozess extrem förderlich. Wir waren fokussiert und ohne Ablenkungen. Später in London, bei «Out of This World», gab es ständig Partys, Clubs und Trubel – das war für die Arbeit definitiv nicht so produktiv wie die Idylle in Maur.

MI: Ihr seid also tatsächlich nie heimlich nach Zürich ausgebüxt, um zu feiern?

Ian: Vielleicht ein-, zweimal, aber das war die absolute Ausnahme. Wir brauchten gar nicht wegzugehen, denn wir hatten alles im Studio. Ich erinnere mich, dass es da dieses Hürlimann-Bier gab – jeden Morgen lieferte man uns harassenweise frisches Lagerbier ins Studio! Also haben wir nach den Sessions einfach im Studio abgehangen, Bier getrunken und MTV geschaut. Ausserdem wussten wir, dass um Punkt 10.00 Uhr morgens wieder die Bänder liefen – da war kein Platz für grosse Exzesse.

MI: Wenn du dir den Longplayer «The Final Countdown» heute anhörst: Welches Lied ist rückblickend das am meisten unterschätzte?

Ian: «Time Has Come»! Ich liebe diesen schwerfälligen Mid-Tempo-Groove, die wunderschönen Keyboard-Harmonien und das fantastische Gitarrensolo von John Norum. Auch «Love Chaser» hat diesen treibenden Rhythmus, den ich unheimlich mag. Wenn ich die Platte heute gelegentlich im Auto abspiele, fällt mir immer wieder auf, wie erstaunlich gut das Album gealtert ist – sowohl vom Sound als auch vom Songwriting her.

Zwischen handgeschriebener Fanpost und Zoom: Das Musikbusiness im Wandel

Das Gespräch über die 80er-Jahre offenbart zudem, wie radikal sich das Musikgeschäft und das Leben einer internationalen Rockband in den letzten vier Jahrzehnten verändert haben.

MI: Wenn du den Alltag von Europe heute mit den 80ern vergleichst – sei es Promo, Touren oder die Verbindung zu den Fans –, was sind für dich die spürbarsten Unterschiede?

Ian: Es ist eine völlig andere Welt! Früher bist du für eine Promo-Tour wochenlang von Stadt zu Stadt gereist, hast persönlich unzählige Radio- und Fernsehstationen besucht und dicke Stapel handgeschriebener Fanpost beantwortet. Das hatte eine sehr persönliche, aber auch ungemein kräftezehrende Note. Heute sitzen wir beide entspannt vor unseren Bildschirmen via Zoom – das spart viel Zeit und Energie, auch wenn der direkte, physische Kontakt manchmal etwas fehlt.

Auch beim Dialog mit den Fans hat sich durch Social Media enorm viel getan: Man erreicht die Leute heute ohne Umwege und direkt – im Guten wie im Schlechten [schmunzelt]. Für mich überwiegen aber klar die Vorteile: Die Nähe zu den Fans ist heute so unmittelbar wie nie zuvor.

Rückkehr zu den Wurzeln: Das neue Album und die Setlist 2026

Im Spätsommer veröffentlichen Europe ihr neues Studioalbum «Come This Madness» [VÖ: 25.09.2026]. Es ist das erste Werk seit dem 2017 erschienenen «Walk The Earth». Für die Aufnahmen wählte das Quintett diesmal einen anderen Ansatz als bei den letzten Produktionen mit Dave Cobb und kehrte zu bewährten Arbeitsweisen zurück.

MI: Richten wir den Blick nach vorne: Im September erscheint euer neuer Silberling. Was war euer primäres Ziel? Wolltet ihr völlig neue musikalische Pfade beschreiten oder das bestehende Europe-Klangbild verfeinern?

Ian: Wir versuchen immer, unseren Sound weiterzuentwickeln und offen zu bleiben. Die Songs sind wie organische Wesen, die sich manchmal in eine ganz andere Richtung entwickeln, als man ursprünglich dachte. Als Joey vor ein paar Jahren die ersten Ideen anschleppte, schwebte ihm noch ein ganz anderer Stil vor. Über die Jahre haben sich die Lieder dann von selbst geformt.

Spannend ist, dass uns die neue Scheibe wieder näher an unsere Arbeitsweise aus den 80ern gebracht hat. Die letzten beiden Alben mit Produzent Dave Cobb entstanden sehr spontan im Studio: Dave wollte keine fertigen Demos hören, sondern arbeitete aus dem Stegreif mit unseren Ideen. Das war aufregend, barg aber auch das Risiko, dass man manchen Tracks im Nachhinein nicht die Aufmerksamkeit schenkte, die sie gebraucht hätten. Diesmal haben wir wieder echte Vorproduktionen gemacht – und zwar gemeinsam mit Produzent Tom Dalgety. Wir hatten fertig ausgearbeitete Demos, gingen jede Struktur durch und feilten an den Details. Das gibt uns als Band viel mehr Kontrolle. Ausserdem ist das Songwriting durch die lange Pause seit 2017 reifer, durchdachter und vielschichtiger geworden.

MI: Wenn du das neue Material beschreiben müsstest, was erwartet die Fans musikalisch?

Ian: [überlegt] Es ist wirklich abwechslungsreich geworden! Wir haben erdiges 70s-Rock-Material drauf, wunderschöne Melodien, aber auch überraschende Experimente. Bei der Orchester-Ballade «In the Absence of Grace» hört man beispielsweise nur ein klassisches Symphonieorchester und Joeys Gesang – so intim und anders habe ich ihn noch nie singen hören! Und bei der nächsten Single «Scandinavian Eyes» haben wir fast schon leicht progressive Pink-Floyd-Einflüsse verarbeitet. Es ist ein wirklich aufregendes Album.

MI: Wie sieht es denn live aus? Werden wir auf den Sommerfestivals und der kommenden Herbsttour schon viel von dem neuen Material hören?

Ian: Auf den aktuellen Sommerfestivals spielen wir bereits die neuen Singles «One On One» und «Cult Of Ignorance», was verdammt viel Spass macht und vom Publikum super aufgenommen wird! Für die grosse Tour im Herbst haben wir uns dann etwas ganz Besonderes überlegt: Da das Jubiläum ansteht, planen wir jeden Abend das komplette «The Final Countdown»-Album am Stück live zu performen! Kombiniert mit den neuen Tracks und unseren Lieblingssongs wird das eine grandiose Show.

Physische Höchstleistungen und das Leben abseits des Rampenlichts

Eine eineinhalbstündige, energiegeladene Hardrock-Darbietung am Schlagzeug durchzuziehen, erfordert maximale Fitness und Disziplin. Nach den gigantischen Shows auf den grossen Bühnen dieser Welt schätzt Ian Haugland privat jedoch vor allem die schlichte Normalität.

MI: Ein 90-minütiger Hard-Rock-Gig ist physisch extrem fordernd. Wie hältst du dich fit und gibt es Nummern, die dich am Drumkit besonders ins Schwitzen bringen?

Ian: Ich bin im Alltag recht aktiv, gehe viel spazieren und spiele regelmässig Schlagzeug. Aber das Wichtigste über die Jahre ist das Energiemanagement: Mit 25 bist du auf die Bühne gerannt und hast von der ersten Sekunde an 100 Prozent gegeben. Heute teilst du dir deine Kräfte schlauer ein. Du steigst etwas moderater ein und steigerst dich gezielt durch das Set. Physisch verlangen mir vor allem die extrem schnellen und energetischen Klassiker wie «Scream of Anger» alles ab – da muss man hinter den Kesseln richtig arbeiten!

MI: Wenn die Lichter in den Arenen ausgehen und du nach Hause fliegst: Was ist das Erste, völlig Un-Rockstarmässige, das du tust, um wieder in der Realität anzukommen?

Ian: Ich mache eigentlich nie Rockstar-Dinge! Ich lande in Stockholm, steige in den Zug nach Gävle – eine kleine Stadt zwei Stunden nördlich, wo ich wohne – und das Erste, was ich mache: Ich küsse meine Frau, knuddle unsere zwei wunderschönen Hunde, wir gehen nach Hause, kochen etwas Feines, schauen fern und geniessen das Leben. Ganz unspektakulär!

MI: Eine letzte Frage zum Abschluss: Woran misst man rückblickend echten Erfolg? An verkauften Millionen-Sellern, ausverkauften Stadien oder an etwas ganz anderem?

Ian: Erfolg verändert seine Bedeutung im Laufe des Lebens. Als ich mit 13 Jahren anfing zu trommeln, war es für mich ein riesiger Erfolg, wenn ich über Kopfhörer einen Song von Deep Purple nachspielen konnte und merkte: «Wahnsinn, ich schaffe das!» Später war es das erste eigene Konzert. Es geht nicht um Verkaufszahlen. Für mich war und ist das Schlagzeugspielen die Möglichkeit, mich auszudrücken – hinter dem Drumkit erwache ich erst so richtig zum Leben. Dass ich das nach über 40 Jahren immer noch weltweit vor Tausenden von Menschen tun darf, ist das grösste Geschenk überhaupt.

MI: Lieber Ian, herzlichen Dank für dieses spannende Gespräch. Wir sehen uns im Oktober in der Schweiz!

Ian: Danke dir, Sandro! Und mach’s gut!

Nachtrag – ein ganz persönlicher Countdown

Als sich die Single «The Final Countdown» im Herbst 1986 anschickte, in der Schweiz durch die Decke zu gehen (und Ende des Jahres für volle sieben Wochen den Thron der Hitparade besetzte), war mir der Track, der bald zum absoluten Giganten der Rockgeschichte avancieren sollte, längst bestens vertraut.

Ich hatte mir das Opus bereits kurz nach seinem Erscheinen im altehrwürdigen Old Town Store in Luzern gesichert und die Titel rauf und runter gehört, bis sie vollkommen verinnerlicht waren. Auch den Backkatalog besass ich schon stolz: Das gleichnamige Debüt [1983] sowie den Nachfolger «Wings Of Tomorrow» [1984] – damals noch mit der ursprünglichen, rohen Version von «Open Your Heart», bevor der Song für das spätere «Out Of This World»-Album mit einer zuckersüssen Glasur aus Synthesizerklängen neu überzogen wurde.

Entsprechend übersättigt fühlte ich mich ehrlich gesagt, als die überbordende Rockhymne im späten 80er-Hype plötzlich allgegenwärtig wurde und einem ununterbrochen von allen Seiten um die Ohren flog.

Umso schöner war es, vier Jahrzehnte später mit Ian Haugland (wie auch knapp drei Jahre zuvor mit Joey Tempest) genau über diesen Fluch und Segen eines weltweiten Megahits zu sprechen. Und zu spüren, dass die Leidenschaft und der gegenseitige Respekt zwischen Band und Fans bis heute überdauert haben.

Europe – The Final Countdown

Europe – The Cult of Ignorance

Autor
Bands
Europe
01.08.2026
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